Heiratsantrag in einer Höhle

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Als ich vor 7 Jahren bei der Kronen Zeitung arbeitete, war ich gerade frisch geschieden, auf der Suche nach einer Wohnung und eigentlich gar nicht darauf eingestellt, eine neue Beziehung einzugehen.

Doch es sollte alles anders kommen:
Ich lernte in der Arbeit meinen Tomasz kennen. Zuerst habe ich ihn gar nicht bemerkt. Erst als er mich ansprach und in der Firma zu einem Kakao einlud, wurde ich auf ihn aufmerksam.

Wir haben uns auf Anhieb verstanden.

Unser erstes richtiges Date war dann bei ihm zu Hause, wo wir einen DVD-Abend gemacht haben. Es war sehr lustig, wir haben uns unterhalten und viel gelacht. Ich hatte seit Langem wieder mal richtig Spaß. Sofort habe ich beschlossen, dass ich ihn wiedersehen muss!

Unsere Treffen haben sich dann sehr oft wiederholt. Ich bin durch ganz Wien gefahren, um bei ihm zu sein, und wir haben uns ineinander verliebt. Nach einer gewissen Zeit war ich mir dann ganz sicher: Das ist was Ernstes, und ich beschloss, dass er auch meinen damals 6-jährigen Sohn Andreas kennenlernen sollte. Die beiden verstanden sich auf Anhieb und sind bis heute die besten Freunde. Tomasz tut wirklich alles für Andreas. Es freut mich total, dass mein Sohn in die Schule geht und sagt:

“Ich habe zwei Papas.”

So habe ich mir gedacht, ich mache meinem Schatz einen Heiratsantrag. Für gewöhnlich macht das der Mann, aber ich wollte das selbst in die Hand nehmen.
Wir hatten einen gemeinsamen Erholungsurlaub in Loipersdorf geplant. Da wir schon knapp 5 Jahre zusammen waren, habe ich dies als meine Chance genutzt, um ihm meinen Heiratsantrag zu machen. Also habe ich angefangen zu überlegen, wie ich es am besten anstelle, bis ich zu dem Entschluss kam, ihm meine Botschaft auf ein Diktiergerät zu sprechen und nach Ende der Aufnahme mit Rosen und Verlobungsringen aus einem Versteck hervorzutreten.

Natürlich musste ich mir noch den richtigen Zeitpunkt und Ort dafür überlegen. Also habe ich im Hotel angerufen und die Dame an der Rezeption in mein Vorhaben eingeweiht. Schnell war alles festgelegt: Picknick in einer kleinen lieben Höhle. Meinen Schatz haben wir für die Zeit der Vorbereitung zu Massagen und Fußpflege eingeteilt. Der erste Schritt war somit getan.

Dann habe ich mir alles, was ich ihm sagen wollte, aufgeschrieben, habe mir ein Diktiergerät besorgt und auf dieses alles gesprochen. Nach dem fünften Versuch – es sollte ja alles perfekt sein – hatte ich meine Aufnahme so, wie ich sie wollte. Ich habe mir Verlobungsringe, ein schickes Kleid und alles, was dazugehört, besorgt. Ich konnte es gar nicht mehr erwarten, bis der Tag endlich da war.

Für mich war es schwer, alles geheim zu halten, also war mittlerweile schon fast die ganze Familie eingeweiht, und alle haben mir ihren Segen gegeben.

Da habe ich mir gedacht: “Jetzt kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.”

Als wir in Loipersdorf ankamen, wurde ich immer nervöser. Am zweiten Tag sollte es passieren: Tomasz war schon auf dem Weg zu seiner Massage, als ich mit der netten Dame von der Rezeption, Frau Pucher war ihr Name, alles vorbereitete. Die Höhle wurde schön mit Kerzen ausgeschmückt, ein hübsch gedeckter Tisch vorbereitet, der Sekt eingekühlt. Alles war perfekt.

Einen kurzen Moment drohte alles aufzufliegen. Denn im Wellnessbereich wurde ein Fehler bei der Terminvergabe gemacht, und mein Freund tauchte auf einmal vor mir auf, obwohl er eigentlich bei der Massage sein sollte. Ich stehe da in meinem schönen schwarzen Kleid, mit den Nerven eh schon total fertig, und auf einmal kommt er rein.Ich habe nur gedacht: “Soll ich jetzt lachen oder weinen?” und bin schnell weg. Er hat aber nichts geahnt, und Frau Pucher hat ihn nach der Massage auf unser Zimmer geschickt und gesagt, er solle sich bitte fertig machen. (Dass wir ein Picknick haben, wusste er ja.)

So hatte ich nun ein wenig Zeit, mich in der Höhle zu verstecken :-) . Ich habe – glaube ich – noch fünfmal mindestens geschaut, ob die Aufnahme da ist, ob alles an der richtigen Stelle ist und alles funktioniert, bis ich mich dann um die Ecke versteckt habe. Frau Pucher hat meinen Freund zum Tisch geführt und ihm gesagt, er solle sich doch bitte hinsetzen und auf Play schalten. Er hat das dann einfach befolgt. Ich in meinem Versteck war total nervös und habe fürchterlich gezittert.

Nachdem die Aufnahme vorbei war, bin ich langsam raus und auf ihn zugegangen. Ich habe ihm noch mal gesagt, dass ich ihn liebe, und ihn gefragt, ob er mich heiraten will. Als ich ihm in die Augen sah, habe ich gemerkt, dass sie voller Tränen waren. Er hat sich total gefreut und natürlich Ja gesagt. Ich war so glücklich, und wir sind uns um den Hals gefallen und haben beide geweint.

Danach wurden noch ein paar wunderschöne Fotos von uns gemacht. Ja, das war mein Heiratsantrag an meinen Schatz!

Wir hatten in den Jahren viele Höhen und auch Tiefen, die uns aber nur noch mehr zusammengeschweißt haben. Und es vergeht kein Tag, an dem wir uns nicht sagen, dass wir uns lieben.

Nun nach 7 Jahren sind wir noch immer verlobt und unser größter Wunsch ist bald eine Traumhochzeit.

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